Von Finnland zurück gekehrt, trat ich nun wieder Anfang October meinen, durch meinen Urlaub unterbrochenen Dienst an. Aber sonderbar ! es wollte mir gar nicht mehr gefallen, seitdem ich die große Reise gemacht; so vieles gesehen und erlebt hatte; ich wäre lieber bald für immer von da weggereist, wenn Herr J. Osterloff, der in Baden-Baden wohnte, mir nicht eine Vollmacht geschickt hätte, laut der ich für ihn 2400 R S in der St. Petersburger Commerzbank erheben sollte. Allein das zog sich, der Sachlage nach, bis zum Sommer 1859, ehe ich das Geld erheben konnte, trotzdem ich die Trinkgelder für die Beamten nicht gespart hatte. Zu gleicher Zeit bat mich Freund v. Nagel seinen ältesten Sohn, Woldemar, der nicht recht lernen wollte, mitzunehmen, denselben in Deutschland confirmiren lassen und ihm auf ein Landgut die Landwirthschaft erlernen zu lassen.
Ich bat nun bei der Kaiserlichen Theater Direction um meinen Abschied, erhielt ihn, mit sehr gutem Zeugnis und mit Beibehaltung meiner Gage für 9 Monate. Als alle Papiere in Ordnung waren und ich die 2400 R.S. für Herrn Osterloff von der Comersbank erhalten hatte, reiste ich mit Woldemar im September von St. Petersburg mit dem Dampfschiff ab, über Stettin, Berlin nach Gotha. Dort brachte ich meinen Pflegbefohlnen zu einem Pfarrer, der neben seinen geistlichen Funktionen sich auch mit Erziehung junger Leute beschäftigte. Als Woldemar Oster 1860 confirmiert worden war, brachte ihn der Pfarrer nach Schwabhausen, auf das große Rittergut, um da seine Lehrzeit zu verbringen.
Leider sollte der arme 16 jährige Junge kein Glück haben, denn, kaum 14 Tage nach dem Eintritt, hat er ohne Erlaubnis seines Prinzipals, eine Jagdflinte genommen, um im Park nach Spatzen zu schießen; ist dabei über einen Zaun gestiegen und unvorsichtigerweise das Gewhr an der Mündung gepackt; das Gewehr blieb hängen, der Hahn schnappt vor, der Schuß ging los und zerschmetterte ihm alle Handknochen, Handgelenke und Armknochen bis zum Ellenbogen. Ich wurde sogleich durch einen Boten benachrichtigt und gebeten gleich Ärzte mitzubringen. Mit Zustimmung Woldemars Vater, haben den armen Jungen 4 Ärzte behandelt, welche beinahe 4 Monate währte und kostete ca. 2000 Rub.Silb. Die Hand, Finger und Arm sind steif geblieben. Im October hat Nagel seinem Lieblingssohn wieder zurückkommen lassen. Später hat Woldemar die Aufsicht über den Kaiserlichen Hirschpark hinter Gatschina bei Petersburg erhalten.
Im Juli reiste ich nach Coburg zu den großen allgemeinen Sängerfest, das unter dem Prorectorat des Herzog Ernst II stand. Nach Schluß der Feierlichkeiten, besuchte ich das herrlich gelegene Kloster Bans, dann die berühmte Kirche: Vierzehn Heiligen (Wallfahrtsort); von hier zurück nach Eisenach auf die Wartburg und dann auf die Wilhelmshöhe bei Cassel. Die Herbst- u. Anfangswinterzeit verbrachte ich größtenteils auf Treibjagden.